Wo die Altstadt noch selbst produziert
von inspired Redaktion
Brot aus dem Holzofen, Käse auf sieben Quadratmetern, Punsch nach Familienrezept. Vier Altstadtadressen, an denen Werkstatt und Ladentisch im selben Raum liegen.
Die Salzburger Altstadt wird meistens über ihre Fassaden erzählt. Interessanter wird es, wenn du darauf achtest, wo hinter dem Verkaufsraum noch gearbeitet wird. An einigen Adressen liegen Produktion und Ladentisch bis heute im selben Gewölbe, und das verändert den Besuch: Du kaufst nicht nur ein Produkt, sondern siehst den Ort, an dem es entsteht. Diese kleine Runde führt vom Kapitelplatz über die Getreidegasse zum Alten Markt und lässt sich in einem Vormittag gehen.
Am Kapitelplatz 8, direkt beim Eingang zum Petersfriedhof, backt die Stiftsbäckerei St. Peter Schwarzbrot aus Natursauerteig in einem direkt befeuerten Holzofen. Verkaufsraum und Backstube liegen in den alten Gewölben ohne Trennwand nebeneinander. Am Eingang dreht sich ein Wasserrad am Almkanal, im Haus steht eine Steinmühle, damit wird der Weg vom Korn zum Brot im Wortsinn sichtbar. Neben dem Brot gibt es Vintschgerl, Gewürzweckerl, Brioche und Milchbrotstriezel. Seit Oktober 2025 führt Simon Dematté den Betrieb weiter, nachdem Franz und Frida Grabmer ihn 61 Jahre lang geführt hatten.
Wenige Minuten weiter, am Hagenauerplatz bei der Getreidegasse, sitzt das Kaslöchl im historischen Löchlbogen. Auf etwa sieben bis acht Quadratmetern stehen je nach Saison rund 120 bis 150 Käsesorten aus Österreich, Frankreich, Italien und Spanien, häufig aus biologischer oder bäuerlicher Rohmilchproduktion, dazu Schinken, Salami und weitere Gourmandisen. Vor dem Laden gibt es meist Kostproben, und wer mehr probieren möchte, bestellt einen Käseteller am Stehtisch neben dem Eingang. Geführt wird das Geschäft von Günther und Barbara Soukup, seine Geschichte reicht bis 1892 zurück.
In der Getreidegasse 39 verbindet Sporer den Spirituosenfachhandel mit eigener Likör- und Punschproduktion. Im historischen Gewölbe wird verkostet, ausgeschenkt und beraten, deshalb funktioniert der Ort weniger als Regal und mehr als Aufenthaltsraum. Der Original-Orangenpunsch geht auf ein Familienrezept zurück, das 1927 erstmals schriftlich erwähnt wurde; das Schankgeschäft selbst wurde 1903 gegründet. Neben Punsch und Likören findest du Schnäpse, Brände, Wein, Gin und Wermut, ein Teil davon stammt aus der eigenen Manufaktur.
Am Alten Markt 6 arbeitet die Alte Fürst-Erzbischöfliche Hofapotheke weiter als Apotheke. Ihre Geschichte beginnt 1591, an dieser Adresse ist sie seit 1903. Im Verkaufsraum stehen eine Rokokoeinrichtung aus dem späten 18. Jahrhundert und historische Apothekengefäße, von denen einzelne weiterhin für Produkte wie Schmierseife verwendet werden. Neben gängigen Arzneien gibt es Hausspezialitäten wie Tees, Pastillen, Salben, Tinkturen und Sirupe sowie ausgewählte Natur- und Pflegeprodukte.
Vier Adressen, vier Handwerke, alle in Gehweite. Wenn du sie hintereinander besuchst, ergibt sich fast von selbst eine Jause: Brot vom Kapitelplatz, Käse vom Hagenauerplatz, dazu etwas aus der Getreidegasse. Die Öffnungssituation unterscheidet sich von Haus zu Haus, ein kurzer Blick vorab lohnt sich. Und in der Hofapotheke gilt: Der Betrieb läuft ganz normal weiter, du bist dort Kundschaft und nicht Publikum.